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Radfahren, Oranienburg und Schloss

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Menz-Mildenberg-Zehdenick-Liebenwalde-Kreuzbruch-Bernöwe-Oranienburg
Tourlänge: 73 Km


Radtour nach Oranienburg, besuch des Schlossmuseums und zurück mit dem Zug nach Gransee.
Wie meistens, hat auch diese Tour ein Vorspiel, eine Vorgeschichte. Am 12.08.2016 fand die Schlosspark-Nacht in Oranienburg statt. Da die Eingangspforten erst um 16.00 Uhr öffneten, nutzten wir die Gelegenheit Oranienburg mit dem Fahrrad (die Fahrräder hatten wir am Auto aufgeschnallt)  zu erkunden. Es gab einiges interessantes zu sehen und erleben: die neuerrichtete Marina, kleine Radtour am Lehnitzsee entlang und einen Eisbecher in der Milchbar, ja sowas gibt es immer noch.
Später im Schlosspark, Sonnenschein und ein Park der uns total begeisterte, super angelegt, viel Phantasie bei der Gestaltung der Spielplätze und der Freizeit Sportgeräte. Doch jetzt zur Schlosspark-Nacht: Kulturelle Vielfalt, gute Gastronomie und spähter am Abend die Lichtershow und ein schönes Feuerwerk.  Wer sich rechtzeitig bemühte, konnte die Show im Liegestuhl liegend verfolgen. Ein schöner Ausflug, mit einer gelungenen Veranstaltung, liessen die Idee wachsen, noch einmal mit dem Fahrrad aus Menz zurück zu kommen und ganz in Ruhe die  Museen im Schloss Oranienburg  zu besuchen.
Doch zuerst kommen die Mühen, kommt der Weg. Der erste Abschnitt der Tour, verläuft auf dem Polzow-Radweg von Menz nach Seilershof und dann weiter auf dem Radfernweg Berlin-Kopenhagen, der uns über, den Ziegeleipark Mildenberg, Zehdenick, Liebenwalde nach Oranienburg bringt. Immer der Ausschilderung folgend. Kleiner Hinweiß, von Burgwall kommen, nicht hart rechts, der Ausschilderung folgend, abbiegen, sondern direkt, geradeaus in den Ziegeleipark einfahren. Man spart einen langweiligen Umweg von 1,5 Km. Mittagessen in der neu eröffneten Marina Liebenwalde, die auch als Ausgangspunkt für Bootstouren auf dem wieder befahrbaren Langen Trödel dient. Über Kreuzbruch und Bernöwe erreicht man die ehemalige Lungenheilanstalt – Grabowsee -, b.z.w. was nach Abzug der Roten Armee übrig geblieben ist. Die gesamte Anlage demmert vor sich hin und wartet auf eine neue Nutzung, ein Plakat weißt auf eine mögliche Verwendung als pädagogische Einrichtung hin. Die Strecke zwischen Kreuzbruch und dem Grabowsee ist eine nicht enden wollender, gerader, wie mit dem Lineal gezogender Weg durch dichten Wald, nur kurz durch den Ort Bernöwe unterbrochen. Es ist ein asphaltierter Radweg, genau wie die gesamte Strecke von Menz nach Oranienburg. Über die 2010 eingeweihte Fuß- und Radfahrerbrücke erreicht man Friedrichsthal. Weiter geht es an der Havel entlang, hinter der Lehnitzer Schleuse, wird der Fernradweg Berlin-Kopenhagen verlassen. Vorbei am ehemaligen KZ Sachsenhausen erreichen wir den Stadtkern von Oranienburg. Immer gerade aus, dann ist das Schloss nicht zu übersehen.

Schloss Oranienburg, Eingang zu den Museen

Doch jetzt mehr zum Museumsbesuch im Schloss Oranienburg. Ich hatte Glück es begann gerade eine Führung, vier Leute, also übersichtlich und die Möglichkeit viele Fragen zu stellen. Ein Exkurs in Preußischer Geschichte stand an. Die eigentliche Geschichte des Schlosses begann mit der ersten Gemahlin des Großen Kurfürsten (1620-1686 ) Louise Henriette von Oranien. Sie wurde durch die Landschaft um Bötzow an ihre niederländische Heimat erinnert, sie bekam das Jagdhaus übertragen und leitete auch den Umbau zu einem Landsitz nach holländischen Vorbild, auch der Name Oranienburg geht auf sie zurück. In der Regierungszeit Friedrichs III./I. (1688-1713) wurde Oranienburg zu einer bedeutenden Schloss- und Gartenanlage umgebaut. Es entstand ein Schloss, das stark von der italienischen und französischen Barockarchitektur  beeinflusst war. Ab 1701, jetzt als König in Preußen, nutzte er Oranienburg für neue entstandenen Repräsentationszwecke. Es entstand auch das berühmte Porzellankabinett, das Deckengemälde kann heute wieder besichtigt werden. Nach dem Tot von Friedrich I. verfiel das Schloss in einen Dornröschenschlaf. Erst 1742 nachdem Friedrich II. (1712-1786) seinem jüngeren Bruder August Wilhelm von Preußen (1722.1758) Schloss Oranienburg übereignete zog für eine kurze Zeit höfisches Treiben ein. Zahlreiche Feste mit seinen jüngeren Brüdern Heinrich und Ferdinand und Freunden fanden statt. 1802 endete die Schlossgeschichte der Hohenzollern, das Schloss wurde verkauft und durchlief eine wechselhafte Geschichte: Baumwollfabrikation, Chemiefabrik (Friedlieb Ferdinand Runge), Lehrerseminar, Polizeischule und nachdem 2.Weltkrieg Kaserne für die Grenztruppen der DDR. Nach der Zerstörung im 2.Weltkrieg wurde es äußerlich wieder aufgebaut. Im Inneren wurde es der neuen Verwendung angepasst. Da ich auf dem Weg von Berlin nach Menz hunderte Male am Schloss vorbeifuhr, brachte ich während der Führung das Gespräch auf die letzte Nutzung durch die Grenztruppen. Als Resultat dessen habe ich meine  negative Meinung zu dieser Nutzung korrigiert – erstens war mir die lange private Nutzung seit 1802 nicht so geläufig und auch der Einwurf der Führung, dass die militärische Nutzung nach 1945, der Grundstein dafür war, dass die Ruine wieder aufgebaut wurde. 1997 begannen umfangreiche Sanierung- und Restaurierungsarbeiten.
Doch jetzt zum Museumsbesuch. Kleine Gruppe, mit kompetenter Führung, was will man mehr. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg zeigt in den ehemaligen Fest- und Paraderäumen sowie in der Königswohnung hochrangige Kunstwerke. In den wieder original gestalteten Räumen gibt es ausgewählte Gemälde (darunter Werke von Anton van Dyck),  eine prachtvolle Präsentation von zwei Gobelinserien (eine entstand 1685 in der Berliner Manufaktur von Pierre Mercier und zeigt die Ruhmestaten des Großen Kurfürsten. Eine weitere sechsteilige Folge mit Darstellungen aus Brüssel kam als Geschenk Ludwigs XIV. an den Hof der Hohenzollern), sowie eine seltene Sitzgruppe aus Elfenbein. Die Höhepunkte der Ausstellung sind  die Porzellan- und Silberkammer. Nachfolgender Text ist von der Webseite der Stadt Oranienburg übernommen. Der Link führt dorthin.

Der Höhepunkt der kurfürstlichen Wohnung bildet die Porzellankammer. Die Deckendekoration sowie das Deckengemälde von Augustin Terwesten sind im Original erhalten. In dieser Kammer waren einst nahezu 5 000 Porzellane aufgestellt. Heute ist eine der 1695 für diesen Raum geschaffenen Etageren mit ostasiatischem Porzellan des 17. und 18. Jahrhunderts bestückt und lässt den einstigen Glanz erahnen.

Mit der Eröffnung der Silberkammer (seit Juni 2006) werden Spitzenstücke der barocken Gold- und Silberschmiedekunst aus der Zeit um 1700 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Darunter befindet sich eine große silberne Münzkanne von Christian Lieberkühn d. Ä. (Berlin, nach 1717) aus dem Ritter- und Thronsaal des Berliner Schlosses. Dieses höchst bemerkenswerte Zeugnis aus dem Besitz Friedrich Wilhelms I. ist ein Glanzlicht der Ausstellung.

Nach dieser wunderbaren Führung besuchte ich das Kreismuseum Oberhavel, jetzt ohne Führung. Das 1926 als Heimatmuseum gegründete Kreismuseum Oberhavel ist im Südflügel des Oranienburger Schlosses untergebracht. Auf drei Etagen präsentiert das Kreismuseum seine umfangreichen Ausstellungen zur Regionalgeschichte sowie Objekte zur Kunst- und Kulturgeschichte aus sechs Jahrhunderten. Sehr interessant die Exponate zur Geschichte der märkischen Binnen Schifffahrt.

Ständige Ausstellungen haben folgende Themen:

  • Ur- und Frühgeschichte der Region
  • Ländliches Hauswesen
  • Handwerk und Landwirtschaft im Glin
  • Schlossgeschichte
  • Geschichte der Stadt Oranienburg
  • Friedlieb Ferdinand Runge (1794 – 1867)
  • Kunst und Kultur vom 15. bis 19. Jahrhundert
  • Wilhelm Groß (1883 – 1974)
  • Hedwig Bollhagen (1907 – 2001)
  • Geschichte der märkischen Binnenschifffahrt

Der Park wurde diesmal nicht besucht (über 30°C ), ist aber immer einen Besuch wert. Mit dem Zug nach Gransee, hier wurde ich mit dem Auto abgeholt. In Menz klang dieser schöne, anstrengende Tag mit einem Bade im schönen Roofensee aus.

 

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