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Radfahren, Neuruppin und Museum

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Menz-Rheinsberg-Zippelsförde-Alt Ruppin-Neuruppin-Zippelsförde-Rheinsberg-Menz
Tourlänge: 78 Km


Neuruppin, an einem Tag  hin und zurück, verbunden mit einem Museumsbesuch, versprechen einen schönen Tagesausflug.
Wir benutzen die bekannten Radwegen (siehe  1.10 Boltenmühle 3.1 Wellness-Tour 1) nach Neuruppin, eine kleine Änderung bei der Hinfahrt, wir fahren über Alt Ruppin nach Neuruppin. Direkt vom Abzweig nach Krangen führt ein separater, asphaltierter Radweg nach Alt Ruppin. Hier lohnt sich ein Besuch der Nikolaikirche (Offene Kirche), besonders sehenswert (zu hören wäre natürlich noch schöner), die Rokoko-Orgel von 1767, erbaut von Gottlieb Johann Scholtze aus Neuruppin. Überhaupt ist der Innenraum sehr interessant, der Altar, die Emporen und Grabsteine, alles fügt sich zu einem Ganzen, dass zu verweilen einlädt. Von der Rhinbrücke hat man schöne Ausblicke auf die Gartenlandschaft von Alt Ruppin. Weitere 4 Km auf dem ausgebauten Radweg und wir sind in Neuruppin. Kurzer Stop am Bahnhof Rheinsberger Tor, um der Touristen-Information einen Besuch abzustatten, schauen was es neues an Broschüren und Flyern gibt. Das Museum ist einfach zu finden, die Hauptstraße (Karl-Marx-Str.) immer geradeaus und hinter den Alten Gymnasium, rechts in die Wichmannstraße einbiegen. Nach 100 Metern stehen wir vor dem Museum, das 1790/91 erbaute Noeldechen-Haus wurde umfassend rekonstruiert und mit einem Anbau erweitert, bevor es im Januar 2015 wiedereröffnet wurde. Imposantes Bürgerhaus, dass sich in unmittelbarer Nachtbarschaft zum Tempelgarten befindet. Und los geht’s, hinein ins Vergnügen, das Museum Neuruppin gehört mir.

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Ur- und Frühgeschichte des Ruppiner Landes

Wie üblich beginnt die Zeitreise im Keller, hier ist die Ur- und Frühgeschichte des Ruppiner Landes ausgestellt. Diese Sammlung im Museum der Stadt Neuruppin ist eine der ältesten Sammlungen im Land Brandenburg. Friedrich Christian Graf von Zieten, der Sohn des legendären Husarengenerals, hatte als Landrat des Kreises Ruppin (von 1800 bis 1841) mit seiner Sammlung „Vaterländischer Altertümer“ den Grundstock für das Museum gelegt. So konnte sie schon Fontane 1865 auf seinen Wanderungen besichtigen. In diesem Zusammenhang möchte auf die 20 Tonstationen, die „Fontane-Strecke“ hinweisen, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Museum zieht. Hier ist aus dem literarischen Werk Fontanes zu hören, was der Dichter, zu vielen Fazetten des Museums zu sagen hat, sei es  zur  archäologischen Sammlung oder zur Familie Gentz und vieles mehr. Doch noch mal zurück in den Keller, besonders beeindruckten mich die kleinen Geschichten und Bilder, am Rande der Sammlung: Geschichtslehrer, jeder für sich ein Unikum, mit ihren Schülern bei archäologischen Ausgrabungen. Auch wie über so lange Zeit diese Sammlung zusammen gehalten wurde, wie viele Menschen daran beteiligt wahren.
Die Treppe aufwärts kommen wir zu den großen Lichtgestalten der Neuruppiner Geschichte, Fontane, Schinkel und Friedrich II. Alle werden würdig präsentiert, nicht übertrieben. Die Fakten und Geschichten sind ja zum größten Teil bekannt. Neu und interessant die Familie Gentz, ob es der Maler Wilhelm Gentz , der Vater Johann Christian Gentz, der den Tempelgarten kaufte und das Gut Gentzrode, zusammen mit seinem jüngsten Sohn Alexander Gentz errichtete. Die Bilder von Wilhelm G. haben mich sehr beeindruckt, er gilt als bedeutendste Orient Maler des 19. Jahrhunderts. Diese Orient Begeisterung ist auch in der Architektur des neu gestalteten Tempelgartens und bei Errichtung des Gutes Gentzrode zu sehen. Es konnte für die Arbeiten der Orientalistik-Architekten Carl von Diebitsch gewonnen werden. Neben der Familie Gentz, zog mich auch das Kunsthandwerker Dorf Gildenhall in seinen Bann. Mehr zu den beiden Punkten in den Nachbemerkungen, schon im Museum stand fest, Gentzrode und Gildehall benötigen noch einiges an Nachbearbeitung.

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Denkmal für Friedrich Wilhelm II, dem Förderer des Wiederaufbaus nach dem verheerenden Stadtbrand 1787

Auf die restlichen Ausstellung möchte ich mit kurzen Stichpunkten eingehen. Die Stadtgeschichte ist sehr plastisch dargestellt, ein großes Modell von Neuruppin steht im Mittelpunkt. Ausführlich wird auf den großen Stadtbrand von 1787 eingegangen, bei dem 2 Drittel der Stadt zerstört wurde. Ein ganzer Raum ist dem in Neuruppin geborenen, impressionistischen Maler Walter Kuphal (1890-1937) reserviert. Sehr schöne Landschaftsbilder und Ansichten von Neuruppin laden zum Verweilen ein. Die Geschichte der Neuruppiner Bilderbögen machen den größten Teil der Ausstellung aus, sehr beeindruckend der kurze Film, in dem die Entstehung einer Lithographie erklärt wird. Die temporäre Ausstellung „Handwerk in Brandenburg – Fotografien von Frank Gaudlitz“ war gerade im Aufbau.
Ein interessanter Museumsbesuch geht zu ende, Mittagessen im Rosengarten (bodenständige Küche, die Wildgerichte sin zu empfehlen) und ab nach Hause. Ein Bad im schönen Roofensee lassen den Tag ausklingen. Die Rückfahrt unterscheidet sich leicht von der Hintour, diesmal fahren wir über Molchow, siehe Karte.

Nachtrag
Exkursion mit dem Auto nach Gentzrode und Gildenhall
Drei Wochen nach dem Museumsbesuch machte ich mich mit dem Auto auf die Spur, um Gentzrode und Gildenhall zu besuchen. Beide Orte fanden beim Besuch im Neuruppiner Museum mein Interesse. Anfahrt nach Gentzrode: Auf der L16 (Landesstraße zwischen Flecken Zechlin und Neuruppin) Richtung Neuruppin kommend, 2,5 Km nach dem Abzweig nach Stendenitz, links abbiegen. Der Weg nach Genzrode ist gepflastert, nach ca.2 Km erreicht man das Gut.

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Gentzrode, Speicher

Zuerst fuhr ich am Gutshaus und dem Speichergebäude vorbei, fand ein altes Wohnhaus und einige Gebäude der Roten Armee. Da ich aber schon im Internet recherchiert hatte wusste ich das dies nicht alles sein kann. Doch dann, eingewachsen hinter Bäumen und Büschen, der Aha Effekt, Gutshaus und Speicher im Maurischen Stil. Selbst jetzt, im diesem desolaten Zustand konnte man die einstige Pracht erkennen. Fotoapparat scharf gemacht und Fotos von Außen und Innen. Die Türen waren nicht versperrt, so konnte das Innere bequem besichtigt werden, Kamin und Teile des Parketts, aber auch Vandalismus, viele Details, gaben immer wieder schöne Motive her. Ein beeindruckender Ort, eine beeindruckende Familie. Wenn man sich die hässlichen Häuser der Roten Armee-Zeit weg denkt, sich den Park vorstellt und den Speicher (1861 nach Entwürfen von Carl von Diebisch erbaut) sowie das Gutshaus ( 1876/77, nach Entwürfen von Martin Gropius und Heino Schmieden erbaut), so sieht, wie sie nach der Erstellung aussahen, da weiß man, was hier dem Ruppiner Land an Kulturgeschichte verloren geht. Denn meiner Meinung nach ist dieser geschichtsträchtige Ort nicht mehr zu retten.
Hier vier Links zur wechselhaften Geschichte und wie sich die Zukunftsaussichten darstellen.
Gut Gentzrode 1
Gut Gentzrode 2
Artikel in der MAZ 1
Artikel in der MAZ 2

Weiter geht die Exkursion nach Gildenhall, leicht zu erreichen, in Alt Ruppin, Richtung Löwenberg, nach der Rhinbrücke, rechts Richtung Radensleben abbiegen. Auch auf die Kunsthandwerker Siedlung Gildenhall bin ich bei meinen Besuch im Neuruppiner Museum aufmerksam gemacht worden. Mit einigen Erwartungen bog in das Dorf hinein. Die hufeisenförmig angelegten Reihenhäuser, und den beiden mehrstöckigen Häuser, die links und rechts den Eingang zum Hufeisen bilden, lassen Vorstellungen entstehen, wie es hier vor 100 Jahren, ausgesehen haben könnte. Doch insgesamt verlief der Besuch enttäuschend, die Siedlung ist jetzt ein reines Wohngebiet, jeder hat sein Haus nach seinen Vorstellungen renoviert, nichts zu spüren, von Kunsthandwerkern, die nach den Prinzipien des Bauhauses, Produkte herstellten. sich zu einer Genossenschaft zusammen schlossen und auch ansonsten ihren Lebenstraum verwirklichen wollten. Doch auch Gildenhall war keine Insel der Glückseligen, Inflation und wirtschaftliche Krise beendeten das historische Projekt Gildenhall 1929. Veranstaltungen zum Thema Gildenhall, Tage des Offenen Denkmals, Ausstellungen und Beiträge, sind sicher der richtige Weg, um sich mit der Siedlungsidee vertraut zu machen.

Abschließen noch eine kleine Begebenheit zum Thema, Neuruppin, Gentzrode und Gildenhall – Einen Tag nach meiner Auto-Exkursion, machte ich eine kleine Radtour um den Stechlin und kehrte zum Mittagessen im Gasthaus Haveleck in Steinförde ein. Es kam zu einem interessanten Gespräch mit einem ebenfalls einzelnen Radfahrer aus Neuruppin, er war dabei eine Radtour mit befreundeten Familien vor zu bereiten. Ich konnte einige Ratschläge und Tipps geben. Aber das aller Beste am Gespräch: Seine Mutter ist in Gentzrode groß geworden, ihr Vater arbeitete in der Werkstatt der Panzerkaserne und seine Tochter hat ein Haus in Gildenhall. Das sind so Geschichten die das Leben schreibt.

Radfahren, Neuruppin und Museum

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Gildenhall und Gentzrode


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